Das Klarträumen ist eine natürliche Fähigkeit, die alle Menschen seit klein auf besitzen. Leider schenken die meisten dieser Fähigkeit kaum Beachtung, sodass sie bis zum Erwachsenenalter meist verkümmert. In dem Sinne müssen die meisten sich eigentlich nur daran erinnern und nicht unbedingt das Klarträumen neu lernen. Denn alle Menschen brauchen Schlaf und alle Menschen träumen nachts, das ist bereits wissenschaftlich nachgewiesen. Damit hat jeder Mensch gute Voraussetzungen zum Klarträumen! Aber so wie das Leben ist, wenn man etwas erreichen möchte, sollte man auch etwas dafür tun. Das Klarträumen ist hier keine Ausnahme. Zum Bodybilder wird man eben nicht nur über Nacht. So kann man auch das Klarträumen wie ein Muskel trainieren.

Also bevor ich zur Anleitung komme, nur kurz ein paar Sätze, warum das Klarträumen für den Menschen wichtig ist. Alle Menschen träumen, jedoch nicht alle erinnern sich an ihre Träume. Die Erinnerung ist jedoch essenziell wichtig, denn wenn du dich an deine Träume nicht erinnerst, dann weißt du auch nicht, ob du vielleicht jede Nacht bereits klarträumst.

Ein Klartraum ist nichts besonderes. Der einzige Unterschied zum normalen Traum ist der, dass du im Klartraum weißt, dass dein Körper friedlich im Bett liegt, während dein Bewusstsein losgelöst vom Körper weiterhin Erfahrungen macht. Dabei kannst du jede Situation im Klartraum erschaffen, die du aus deinem Alltag kennst und auch nicht kennst. Im Klartraum kannst du Erholung und Spaß haben, aber auch an deinen Herausforderungen arbeiten sowie Neues entdecken, aber auch deinen Horizont über deine Alltag erweitern z.B. Information channeln, dass es jedem selbst überlassen. Fakt ist das, was du in der Traumwelt erlebst, deine Erfahrungen bleiben. Diese stehen in der Wahrnehmung kaum den Erfahrungen des Alltags nach, sondern im Gegenteil, meist sprechen die Klarträumer von einer superrealen Sinneswahrnehmung, die des Alltags bei weitem übersteigt.

Um diese verkümmerte Fähigkeit zu aktivieren, müssen wir nur unseren Fokus darauf lenken und diesen mit bewährten Techniken erfahrener Klarträumer kombinieren. Eine einfache Technik, die von Michael Raduga beschrieben wird, ist wie folgt.Feste Übungszeiten

  1. Übungszeiten
  2. Absicht beim Einschlafen
  3. Technik beim Aufwachen
    1. Klartraumwunsch/ziel
    2. Teilen
  4. Reality Checks
  5. Aktionsplan
  6. Traumerinnerung

1. Feste Übungszeiten

Such dir zwei bis drei Tage in der Woche, an denen du am besten ausschlafen kannst, um die Techniken zu üben. Für den Anfang sollten es weder mehr noch weniger sein, um die Motivation aufrecht zu erhalten und den Aufwand gering zu halten. Alternativ zum Nachtschlaf, kann die Technik beim Mittagsnickerchen angewendet werden.

2. Absicht beim Einschlafen

An diesen ausgewählten Tagen schläft man mit einer festen Absicht ein. Die wie folgt lauten kann: Jedes Mal beim Aufwachen werde ich meine Klartraumtechnik als aller erstes machen, um im Klartraum aufzuwachen.

D.h. Sobald es nur dämmert, sollte die o.g. Absicht präsent sein, dass man die Technik anwenden möchte und sogleich mit der Technik loslegen.

3. Technik

Die Technik hat zwei Teile, jeder Teil wird für ca. 15- 30 Sekunden während des Dämmerzustands beim Aufwachen angewendet. Dabei soll der Verstand weder analysieren noch kritisieren, d.h. nicht zu aktiv und dein Zustand nicht wach sein. In dem Fall sollte man den Versuch nach dem zweiten Teil abbrechen und sich wieder auf den Tag fokussieren, da die Wahrscheinlichkeit auf Erfolg recht gering ist.

3.1. Klartraumwunsch/Ziel

Du merkst wie du aufwachst. Als erstes denkst du an dein Ziel im Klartraum. Zu Beginn sollte es simpel sein. Wenn es mit einer starken Emotion wie Neugier, Sehnsucht, Freude, Liebe etc. verbunden ist, klappt es besser z.B. Du möchtest eine Person treffen, nach der du dich sehnst; oder ein Land besuchen, für das du dich längst begeisterst, oder ein dringliches Problem lösen, was dich beschäftigt.

Oder du machst einfach deine Übungen aus Neugier: Z.B. Du willst dein Spiegelbild im Traum sehen. Gehe dann wie folgt vor: Schlafe mit der o.g. Absicht ein. Sobald du dich beim Aufwachen befindest, visualisiere wie du vor dem Spiegelbild stehst, oder wie du diese Person triffst oder wie du an deinem Lieblingsort stehst.

Im besten Fall schläft dein Körper wieder ein und dein Bewusstsein ist von dem Bild umgeben, das du gerade noch visualisiert hast, du bist im Klartraum. Also schaue dir die Person genau an, rede mit ihr, entdecke dein Traumland oder schaue dir dein Spiegelbild an. Achte dabei auf deine Sinnes­wahrnehmung was genau siehst, fühlst, hörst, schmeckst du und wie fühlst es sich an? Folge weiter deinem Aktionsplan siehe weiter unten.

3.2 Teilen

Du hast es für wenige Sekunden versucht und wirst immer wacher, dann probiere die zweite Technik.

Visualisiere wie du gerade vom Bett aufstehst, oder dich vom Bett rollst oder hochspringst ohne dich dabei tatsächlich zu bewegen. Dabei kann es passieren, dass du plötzlich in deinem Zimmer stehst und so in einem Klar­traum landest. Mache sogleich einen Reality Check (RC), um sicher zu gehen, dass du im Traum bist.

4. Reality Checks

Um dich daran zu erinnern, dass du den RC machst, übe diesen täglich im Wachzustand. Klebe dazu gut sichtbar einen Zettel mit der Aufschrift: Traum? An einem oder zwei Gegenständen, an denen du mehrmals am Tag vorbeigehst/siehst. Z.B. Tür, Fenster, Spiegel, Uhr, Telefon etc…

Wenn du den Zettel siehst, fragst du dich, bin ich im Traum? Schaue dir dabei deine Hände genau an, ob sie komisch aussehen oder nicht, sehen sie wie immer aus? Im Traum herrschen andere Gesetzmäßigkeiten als in der Realität, deswegen werden deine Hände im Traum keineswegs so aussehen wie in deinem Alltag. Z.B. statt fünf hast du sechs Finger, statt blass rosa ist die Hautfarbe grün etc.

Es ist sinnvoll RCs mehrmals am Tag ca. 10-mal und mehr zu machen. Das, was uns am Tag sehr beschäftigt, taucht meist in der Nacht wieder auf. Die meisten kennen das von einer Konfliktsituation, die wir im Traum noch weiterträumen. Ein positiver RC im Traum könnte somit ein Tor zum Klartraum sein.

5. Aktionsplan und Motivation

Dein RC ist positiv, du weißt du bist im Traum und was jetzt? Um nicht wieder das Bewusstsein zu verlieren bzw. wieder einzuschlafen, brauchst du einen Aktionsplan mit ca. 3-5 Dingen, die du im Klartraum machen möchtest. Schreibe sie im Wachzustand auf und lege sie unters Kopfkissen, lasse sie dort liegen bis du sie alle im Klartraum erledigt hast.

Ein Aktionsplan kann wie folgt aussehen:

  1. Eine Runde ums Haus fliegen
  2. Verstorbene Lieblingsoma treffen
  3. Lieblingskuchen ohne schlechtes Gewissen verputzen

6. Motivation und Spaß

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, ärgere dich zu keiner Zeit, wenn es nicht klappt. Stattdessen freue dich auf den nächsten Versuch, bei dem du es wieder versuchen wirst. Der Lust- und Spaßfaktor ist neben der Motivation sehr wichtig. Ärger ist ein Indiz für das Unterbewusstsein etwas einzustellen. Unangebrachter Ärger könnte dich somit um das Klarträumen bringen.

7. Traumerinnerung

Alles vorauf wir uns mit allen Sinnen fokussieren gelingt uns oft besser und schneller. Um den Fokus auf das Träumen zu verstärken, kannst du deine Träume, Traumsequenzen, Emotionen oder bloße Schlüsselbilder nach dem Aufstehen aufschreiben oder sogar malen. Ähnlich wie in einem Tagebuch schreibst du deine nächtlichen Erlebnisse in deinem Traumtagebuch auf. Manche haben eine gute Traum­erinnerung und andere wiederum müssen sie sich antrainieren. Das Traumtagebuch ist ein gutes Mittel für die letzteren.

8. Traumtagebuch

Wer sich für ein Traumtagebuch entscheidet sollte ein paar Tipps beherzigen. Zu Beginn kann es sein, dass man sich nur an wenige Details bis gar nichts erinnert. Dabei ist es wichtig, das Traumtagebuch trotzdem in die Hand zu nehmen und etwas reinzuschreiben, um erstens in die Routine zukommen und zweitens um dem Unterbewusstsein die Wichtigkeit dieser Sache zu verdeutlichen.

Am besten schreibst du dir die Träume sofort auf, je länger du wartest, desto mehr Details verfliegen. Wer keine Lust hat zu schreiben, kann den Traum malen oder ihm einfach eine Überschrift geben oder zumindest ein paar Stichpunkte zu Wiedererkennung niederschreiben. Es empfiehlt sich auch die aufge­schriebenen Träume am Übungstag zu überfliegen, das kann auch die Traumerinnerung steigern. Denn mit dem Lesen setzt du den Fokus auf die Traumerinnerung.

9. Versuche steigern

Nachdem man die festen Übungstage bestimmt hat, muss man sich nicht nur auf die zwei bis drei Versuche einschränken. Um die Versuche und damit die Erfolgsquote zu steigern, kann man den Mittagsschlaf am Übungstag für die Techniken ebenfalls nutzen oder sogar für den Grund extra einführen. Oder/ und man stellt den Wecker 2 bis 3 Stunden vor dem Aufwachen. Wenn der Wecker klingelt, geht man auf die Toilette oder trinkt etwas Wasser und legt sich wieder mit der festen o.g. Absicht klarzuträumen wieder ins Bett. Damit bleibt die Absicht beim Aufwachen präsent. Nach einem negativen Versuch lohnt es sich, wieder­einzuschlafen, um wieder aufzuwachen und es erneut mit der Technik zu probieren. So oft wie man eben noch einschlafen kann, wendet man die Techniken jedes Mal beim Aufwachen an, solange bis man entweder richtig wach ist, oder aufstehen muss.

Also kurz zusammengefasst heißt das:

1. Du übst täglich die RC. An den Übungstagen legst du dich mit der o.g. Absicht ins Bett.

2. Lässt dich 2-3 Stunden vor dem Aufstehen wecken, verdeutlichst dir nochmal deine Absicht.

3. Beim nächsten Aufwachen wendest du die Techniken an.

3.1 Wenn du im Klartraum landest, dann konzentriere dich auf deine Sinne und dein Ziel und starte mit dem Aktionsplan.

3.2 Wenn du nicht im Klartraum landest, dann schlafe ruhig mit der o.g. Absicht wieder ein und versuche es weiter.

Die meisten Tipps entstammen der Klartraumanleitung von Michael Raduga. Er beschäftigt sich mit dem Thema Klarträumen seit fast 20 Jahren. Er hat zahlreiche Bücher dazu veröffentlicht und bietet off und online Seminar zu diesem Thema. In der russischen Klartraum-Community ist er bekannt und beliebt.

Virineya Würgler gibt online und offline Klartraum Seminare nach den Techniken von M. Raduga. Mehr findest du unter dem folgenden Link:

https://www.klar-traum.ch/

Leave a Reply

Your email address will not be published.